Anleitung: Von der Idee zur Serienform
Anleitung: Von der Idee zur professionellen Serienform
In dieser Anleitung lernst du Schritt für Schritt, wie du von einer Idee zu einer sauberen Serienform kommst: eine Form, mit der du mehrere Modelle gleichzeitig gießt oder einstreichst. Du arbeitest über ein Muttermodell und eine Mutterform auf eine lebensmittelechte Serienform aus Silikon Kulinarisch hin, geeignet sowohl für die professionelle als auch für die Hobbyküche. Geeignet für Anfänger und Profis.
Was wirst du herstellen?
Du stellst eine lebensmittelechte Serienform her, mit der du in einem Gießvorgang mehrere identische Modelle produzierst, zum Beispiel Dessertformen, Schokolade oder Pralinen. Du beginnst mit einem Muttermodell (dem Original, das das gewünschte Endergebnis repräsentiert), machst davon eine Mutterform, um Kopien zu produzieren, und gießt anschließend die endgültige Serienform rund um eine Serie dieser Kopien. Das Endergebnis erfasst jedes Detail des Originals und ist direkt in der Küche einsetzbar.
Benötigte Materialien
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- Silikon Kulinarisch – Lebensmittelechtes Platinsilikon (1 kg Set)
- Porzellangips – zum Gießen der Modelle/Repliken
- A1 Acrylharz – für extra stabile, detailreiche Repliken (optional)
- Polyurethan-Gießsystem – für fragile Modelle (optional)
- Plastilin-Knete – zum Abdichten von Ritzen
- Digitale Waage
- Mischbecher (vorzugsweise flexibel)
- Rührstab oder Spatel
- Pinsel oder Bürste (für die Kontaktschicht)
- Einweghandschuhe (Nitril)
🧰 Selbst besorgen
- Idee oder Entwurf (Logo, Skizze, Gegenstand zum Kopieren)
- Muttermodell (z. B. gefrästes Plexiglas oder 3D-Druck, auslagerbar)
- Umrandung oder Border (Metall, Plexiglas oder lackiertes/furniertes Holz)
- Leimzwingen oder ein sauberer Plastikbehälter mit geradem Boden
- Doppelseitiges Klebeband oder Klebstoff
- Flacher, waagerechter und trennender Untergrund
- Scharfes Messer (Stanley) und Schneidunterlage
Vorbereitung
Eine Idee ist immer der Anfang. Das kann ein vorhandener Gegenstand sein, den du kopieren möchtest, wie Obst, Nüsse oder Steine, oder ein eigener Entwurf wie ein Firmenlogo, ein Modell oder eine handgemachte Kreation. Für jede Form brauchst du ein greifbares Ausgangsmodell: das Muttermodell. Dieses Modell repräsentiert exakt das gewünschte Endergebnis, denn deine Produktionsform wird eine Eins-zu-eins-Kopie dieses Modells.
Ist deine Idee noch nicht greifbar, mache sie dann zuerst dreidimensional. Manuelles Modellieren ist möglich, aber für ein sauberes Endmodell kannst du besser einen 3D-Drucker oder eine Fräsmaschine einsetzen, eventuell ausgelagert an ein Kunststoffverarbeitungsunternehmen. Lieferst du deinen Entwurf im richtigen Dateiformat, kann das Modell zum Beispiel aus Plexiglas gefräst werden.
Bevor du die Form gießt, ist es essenziell, dass deine Modelle vollkommen sauber sind. Entferne Schmutz, Staub und unerwünschte Unebenheiten, denn die Form übernimmt jedes kleinste Detail. Glänzende Teile kehren glänzend in der Form zurück, matte Teile bleiben matt. Stelle danach alle Materialien gebrauchsfertig bereit.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Muttermodell fixieren
Platziere dein Muttermodell in einem Behälter und sorge dafür, dass kein Silikon darunterlaufen kann und dass das Modell nicht aufschwimmt. Verleime das Modell vollständig oder versieh die Unterseite mit doppelseitigem Klebeband. Ein gut fixiertes Modell ist die Basis für eine saubere Mutterform.

Silikon für die Mutterform mischen
Mische das Silikon im richtigen Verhältnis von 1 : 1 sehr gut durch und arbeite so genau wie möglich. Gieße die Mischung eventuell in einen zweiten Behälter um und mische erneut gut durch (Two-Cup-Methode), sodass du einer homogenen Mischung sicher bist.

Mutterform gießen und entformen
Gieße mit einem dünnen Strahl die Mischung über dein Modell, bis dieses vollständig bedeckt ist. Halte danach kurz inne und streiche das Modell mit einem Pinsel nach, sodass eventuelle Luftblasen sicher verschwinden. Gieße anschließend die Form mit einem dünnen Strahl weiter ab.
Lasse das Silikon 6 Stunden ruhen, bevor du entformst. Danach ist die Mutterform bereit, um Repliken damit zu gießen.

Repliken gießen
Gieße mit der Mutterform die gewünschte Anzahl Repliken. Porzellangips ist dafür ein schönes Produkt: Er ist gut fließfähig und übernimmt alle Details perfekt. Hat dein Modell fragile Teile und möchtest du extra Stabilität, wähle dann A1 Acrylharz oder ein hartes Polyurethan-Gießsystem.
Mache so viele Repliken, wie du Modelle in der Serienform aufnehmen möchtest. In diesem Beispiel arbeiten wir auf eine Form mit zwanzig Modellen hin.

Modelle aufstellen und Border platzieren
Platziere die Repliken in einer logischen Anordnung auf einem flachen, ebenen und trennenden Untergrund. Halte nicht zu viel Abstand zwischen den Modellen (das kostet unnötig Silikon), aber auch nicht zu wenig (zu eng gibt später Risiko für Risse). Fülle Ritzen unter den Modellen mit Plastilin-Knete und sorge dafür, dass alles am Boden festsitzt, sodass nichts aufschwimmt. Lege den Untergrund gut waagerecht.
Bringe danach eine Border rund um die Modelle an, sodass das Silikon nicht weglaufen kann. Verwende eine Umrandung aus Metall, Plexiglas oder lackiertem Holz, oder Leimzwingen, die du fest anziehst. Dichte Löcher und Ritzen unter der Border mit Plastilin ab. Die Border muss immer über das Modell hinausragen, aber mache sie niemals zu groß.

Silikon Kulinarisch mischen
Schenke die benötigte Menge A-Komponente in einen Mischbehälter und füge die B-Komponente im richtigen Verhältnis von 1 : 1 hinzu. Silikon Kulinarisch ist ein 1 : 1-System, das nach dem Aushärten für die Verarbeitung von Lebensmitteln geeignet ist.
Mische das Ganze sehr gut mit einem Rührstab und gehe sorgfältig an allen Rändern und Ecken entlang, sodass das Silikon überall gleichmäßig gemischt ist. Gieße eventuell in einen zweiten Behälter um und rühre nochmals durch (Two-Cup-Methode).

Serienform gießen
Gieße das Silikon mit einem dünnen Strahl und aus einem Punkt. So bekommen Luftblasen während des Falls noch die Chance zu entweichen und die Luft wird vor dem Silikon hergeschoben, statt eingeschlossen zu werden. Gieße, bis alle Modelle vollständig bedeckt sind.

Aushärten, entformen und nachbearbeiten
Lasse das Ganze 6 Stunden aushärten, bevor du entformst. Die Form ist danach gebrauchsfertig; das TDS misst die ausgehärteten Eigenschaften nach 24 Stunden bei 23 °C. Schneide zum Schluss eventuelle dünne Häutchen an den Außenrändern mit einem scharfen Messer auf einer Karton- oder Holzunterlage weg.
Endergebnis: eine saubere Serienform für zwanzig Modelle gleichzeitig, bereit für den Einsatz in der Küche
Technische Daten Silikon Kulinarisch
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mischungsverhältnis (Gewicht) [A:B] | 1 : 1 |
| Topfzeit bei 20 °C [min] | 60 |
| Entformzeit bei 20 °C [Stunden] | 6 |
| Volle Festigkeit nach [Tagen] | 1 |
| Hitzebeständigkeit (TÜV) | 240 °C / 10 Min. in Silikonöl, 280 °C / 10 Min. trockene Hitze |
| Schrumpfung | Schrumpffrei aushärtend |
Topfzeit und Entformzeit sind stark von der Temperatur abhängig. Bei einer höheren Temperatur werden die Verarbeitungszeit und die Entformzeit kürzer.
Besondere Hinweise
- Setze die Form nicht längere Zeit hohen Temperaturen aus. Der TÜV prüfte die Hitzebeständigkeit mit einem bestandenen Test bei 240 °C (10 Minuten in Silikonöl) und 280 °C (10 Minuten trockene Hitze); eine längere oder stärkere Belastung wurde nicht untersucht.
- Lasse die Form nicht mit dem Heizelement eines Ofens in Kontakt kommen.
- Platziere die Gummiform auf einer Ofenschale oder einem Ofenblech für mehr Stabilität.
- Allerlei Gegenstände eignen sich als Modell, wie Spielzeug, Nüsse, Steine und Muscheln. Poröse Materialien und Papier oder Stoff können beim Lösen Probleme bereiten, verwende dann ein Trennspray oder einen Sealer.
- Materialien, die Salze, Schwefel oder Amine enthalten, stören den Aushärteprozess.
- Warte nicht länger als eine Stunde zwischen zwei Gießschichten, sonst besteht die Gefahr, dass die Schichten nicht mehr aneinander haften.
Reinigen
Reinige die Form nach Gebrauch mit warmem Seifenwasser und spüle sie mit reichlich Wasser ab. Das Trocknen geht einfach im Ofen bei 150 °C.
Lagerung
Unausgehärtetes Silikon (A- und B-Komponente)
Bewahre die geschlossene Verpackung zwischen 10 °C und 25 °C auf, kühl und frostfrei, vor direktem Sonnenlicht geschützt. Bei korrekter Lagerung beträgt die Haltbarkeit mindestens ein Jahr. Verschließe die Verpackung nach Gebrauch direkt gut.
Ausgehärtete Silikonform
Bewahre die Form in einem dunklen Raum zwischen 10 °C und 25 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von ungefähr 50 Prozent auf. Staple Formen nicht unter schweren Objekten, um Verformung zu vermeiden.
Verwendung in Kombination mit Lebensmitteln
Silikon Kulinarisch ist ein additionsvernetzendes Silikon auf Basis von Platinkatalyse. Der TÜV Rheinland hat das Produkt nach § 31 LFGB geprüft (Prüfbericht 0003012744 / AZ 81119a, 14.06.2011), Ergebnis: Pass. Eine FDA-Erklärung gibt es nicht; auf der Produktseite steht genau, was geprüft wurde. Nur das ausgehärtete Silikon darf mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Wir empfehlen, die Form nach dem Aushärten zuerst zu post-curen, bevor du sie verwendest.
Häufig gestellte Fragen
Warum arbeite ich über ein Muttermodell und eine Mutterform?
Das Muttermodell repräsentiert das gewünschte Endergebnis, die Mutterform ermöglicht es, schnell mehrere identische Repliken zu produzieren. Mit diesen Repliken baust du anschließend die Serienform auf. So gießt du in einem Mal eine Form für mehrere Modelle gleichzeitig, ohne das Original zu beschädigen.
Darf ich für die Mutterform ein günstigeres Silikon verwenden?
Ja. Die Mutterform kommt nicht mit Lebensmitteln in Berührung und dient nur dazu, Repliken zu machen. Ein günstigeres Silikon genügt in diesem Stadium. Verwende für die endgültige Serienform aber immer lebensmittelechtes Silikon Kulinarisch.
Wie viel Abstand lasse ich zwischen den Modellen?
Nicht zu viel und nicht zu wenig. Zu viel Abstand kostet unnötig viel Silikon, zu wenig Abstand vergrößert die Gefahr von Rissen in der Form. Halte einen gleichmäßigen, begrenzten Abstand ein und fülle Ritzen unter den Modellen mit Plastilin.
Warum gieße ich mit einem dünnen Strahl aus einem Punkt?
Ein dünner Strahl gibt Luftblasen während des Falls die Chance zu entweichen. Durch das Gießen aus einem Punkt wird die Luft vor dem Silikon hergeschoben, statt eingeschlossen zu werden, was eine luftblasenfreie Form ergibt.
Was ist Post-Curing und wann ist es nötig?
Post-Curing bedeutet, die ausgehärtete Form 2 bis 3 Stunden in einem Ofen bei 120 °C bis 140 °C zu platzieren, sodass eventuelle Dämpfe entgasen. Dies ist nötig, wenn die Form Lebensmittel verarbeiten soll. Reinige die Form danach mit Spülmittel und trockne sie gut.
Wie lange hält die Form?
Eine gut gepflegte Serienform aus Silikon Kulinarisch hält zahllose Gießvorgänge. Das Silikon hat eine hohe Zugfestigkeit und härtet schrumpffrei aus. Reinige die Form nach jedem Gebrauch und bewahre sie gemäß den Lagerungshinweisen auf.