Vergiftung von Silikonen (Cure Inhibition)

Vergiftung von Silikonen (Cure Inhibition)

Die Vergiftung von Silikonen, auch Cure Inhibition genannt, tritt auf, wenn Platinsilikone nicht richtig aushaerten, weil der Platinkatalysator mit Stoffen in der Umgebung reagiert. Auf dieser Seite erfahren Sie in einfachen Worten, was Vergiftung bedeutet, welche Stoffe sie verursachen und wie Sie sie vermeiden oder beheben.

Additionsvernetzende Silikone

Additionsvernetzende Silikone werden auch Platinsilikone genannt. Die Vergiftung von Platinsilikonen wird auch Inhibition oder Cure Inhibition genannt.

Additionsvernetzende Silikone haerten durch Polymerisation aus. Dabei bilden die kurzen Silikonmolekuele lange Ketten und Vernetzungen. Dieses Netzwerk ergibt schliesslich ein gummiartiges Silikon. Je dichter das Netzwerk, desto haerter und steifer das Silikon.

Als Katalysator fuer diesen Prozess wird Platin benoetigt. Platin ist ein teures Metall und wird daher immer so sparsam wie moeglich zugegeben. Platin reagiert jedoch auch mit anderen Komponenten. Geschieht das, kann zu wenig Platin uebrig bleiben, um das Silikon gut aushaerten zu lassen. Dies wird dadurch verstaerkt, dass ohnehin schon sehr wenig Platin im Silikon enthalten ist.

Das Ergebnis ist dann, dass das Silikon klebrig bleibt oder sogar fluessig, und dass es nicht die Zugfestigkeit und Festigkeit hat, die man erwarten wuerde, weil das Netzwerk nicht oder unzureichend gebildet ist.

Welche Stoffe vergiften Additionssilikone?

Schwefel

Sulfide und Kombinationen davon. Diese kommen unter anderem in Latexhandschuhen vor. Kontrollieren Sie daher immer Ihre Handschuhe.

Stickstoff

Amine und Amide, Nitrile und Cyanate sowie Kombinationen und Variationen davon. Diese kommen unter anderem in Epoxiden, Lacken und Klebstoffen vor. Wenn ein Epoxid oder Lack vollstaendig ausgehaertet ist, ist das oft unbedenklich, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Epoxid oder Lack nicht vollstaendig ausgehaertet ist, ist recht gross.

Zinn

Zinnsalze und aehnliche Stoffe. Diese werden viel in Kondensationssilikonen verwendet. Kondensationssilikone gibt es in einer 2-Komponenten-Variante, aber auch in 1-Komponenten-Varianten. Eine sehr bekannte Form von 1-Komponenten-Kondensationssilikon ist Silikondichtstoff fuer Fugen. Wir raten davon ab, solchen Dichtstoff beim Herstellen von Formen oder Umkastungen fuer Platinsilikon-Abformungen zu verwenden.

Phosphor

Phosphorkomponenten wie Phosphin und Phosphit. Unter anderem in der Metallindustrie zum Korrosionsschutz eingesetzt. Nicht jedes Metall ist also sicher fuer Silikone.

Arsen, Antimon, Selen, Tellur

Auch diese Elemente und ihre Verbindungen koennen die Aushaertung von Platinsilikonen hemmen.

Einige Loesungsmittel

  • Alkohole wie Ethanol und Methanol
  • Ester wie Ethylacetat und Vinylacetat
  • Einige Verbindungen mit ungesaettigten Bindungen

Primer und Beschichtungen

  • Polyethylen mit einem der oben genannten Additive
  • Primer mit Additiven aus obiger Liste
  • Natriumsalz-Primer
  • Polyvinylacetat- oder Acryl-Latex-Lacke
  • Beschichtungen mit Calciumcarbonat
  • Beschichtungen mit Naturkautschuk, Styrol oder Polyvinylacetat

Kondensationssilikone

Das Obige gilt nicht fuer Kondensationssilikone. Das sind Silikone, bei denen der Katalysator oft eine Zinnverbindung ist. Diese Art von Silikon haertet fast immer aus, es sei denn, es ist zu wenig Feuchtigkeit in der Luft oder im System, oder die Feuchtigkeit wird aus dem Silikon gezogen, wie bei sehr trockenem Flusston.

Inhibition von Additionssilikonen vermeiden und beheben

Vermeiden

Der einfachste Weg, Inhibition zu vermeiden, ist die Verwendung von Materialien und Werkzeugen, die keinen dieser Stoffe enthalten. Achten Sie dabei auf die Klebstoffe und Lacke, die Sie verwenden, auf das Material Ihres Urmodells und sogar auf Ihre Handschuhe. Auch Rauchen kann das Silikon vergiften, ebenso das Schleifen von Epoxid- oder Polyurethanprodukten, wobei Staub laengere Zeit in der Luft haengt.

Gut aushaerten

Wenn Sie die Verwendung eines dieser Materialien nicht vermeiden koennen, lassen Sie es sehr gut aushaerten. Lassen Sie die Produkte notfalls mehrere Tage aushaerten, am besten bei erhoehter Temperatur. Bei UV-haertendem Epoxid empfehlen wir, dieses besonders gut mit UV-Licht auszuhaerten und eventuell nachzubehandeln. Es gibt Maschinen, um Epoxid-Prints vollstaendig aushaerten zu lassen.

Abdichten

Sie koennen das Produkt auch mit zum Beispiel Polyvinylalkohol (PVA) lackieren. Dieser schliesst das Material ab, sodass das Silikon nicht damit in Beruehrung kommt. Wichtig ist dabei, dass die Abdichtung vollstaendig geschlossen ist.

Zusaetzliches Platin

Sie koennen dem Silikon zusaetzliches Platin zugeben oder ein Silikon mit hoeherem Platinanteil waehlen.

Temperatur erhoehen

Sie koennen das Silikon mit Form bei erhoehter Temperatur aushaerten lassen, wenn das Modell und die uebrigen Materialien dies vertragen. Die Idee ist, dass das Silikon so schnell aushaertet, dass das Platin weniger Zeit hat, mit Verunreinigungen zu reagieren. Dies funktioniert leider nicht in allen Faellen.

Inhibition von Kondensationssilikonen vermeiden und beheben

Ausreichend Feuchtigkeit

Sorgen Sie dafuer, dass genug Wasser im Kondensationssilikon ist. Sie koennen einen Teeloeffel Wasser pro 200 Gramm hinzufuegen oder einen Kondensationssilikon-Beschleuniger verwenden (im Prinzip eine Wasseremulsion). Sie koennen auch das Modell oder die Materialien darum herum leicht anfeuchten. Sorgen Sie zum Beispiel dafuer, dass Flusston nicht ganz austrocknet. Verwenden Sie ausserdem ausreichend Silikon, denn eine duenne Schicht trocknet auf trockenem Untergrund schneller aus als eine dicke Schicht.

Ausreichend B-Komponente

Kondensationssilikone haerten praktisch immer aus, wenn B-Komponente hinzugefuegt wurde. Eine zu kleine Menge B-Komponente kann die Aushaertung stark verzoegern und ergibt ein weicheres und weniger festes Resultat. Achtung: Ein deutlicher Ueberschuss ist ebenfalls nicht gut, denn das macht das Silikon zu hart und verkuerzt die Lebensdauer der Form.

Achtung: Dieser Artikel enthaelt nicht alle moeglichen Probleme und beruht teilweise auf Informationen Dritter. Wir koennen auf Basis dieses Dokuments keine Garantien geben.

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